Das Buch und sein Haus 

Achtung!

Das Album oder Photo, welches Sie zu erreichen versuchten, gibt es entweder nicht, oder benötigt, daß Sie sich anmelden. Anmelden und versuchen es erneut.
pixel_trans pixel_trans
Titelbild des Albums: 06 Klassizismus
06 Klassizismus
Die beiden, hier für die Epoche des Klassizismus gebotenen Beispiele könnten nicht unterschiedlicher sein: im Coburger Schloss die eher zufällige, jedenfalls nicht ursprünglich geplante Nutzung klassizistisch ausgestatteter Räume des Herzoglichen Schlosses für die heutige Landesbibliothek, in München ein monumentales, von vornherein als Bibliothek geplantes Gebäude an der neuen Prachtstraße der königlichen Residenzstadt.

Beide Bibliotheken sind jedoch signifikante Beispiele für bibliotheksgeschicht­liche Entwicklungen:

In Coburg ignorierte man sozusagen die steigende Buchproduktion im 19. Jh., indem die Neuanschaffung von Büchern durch Kürzung der Anschaffungsmittel immer weiter zurückgefahren wurde; bei der Unterbringung der Bibliothek beschränkte man sich auf verschiedene Provisorien; so stagnierte die Entwicklung, bis der Bibliothek erst am Ende der 1960er-Jahre durch gründliche Umbauten und die Zuweisung höherer Erwerbungsmittel eine Zukunftsperspek­tive gegeben wurde; seitdem vermag die Bibliothek ihre regionale Rolle für die wissenschaftliche Arbeit voll auszufüllen. Dies ist ein Weg, den auch eine Reihe anderer Regionalbibliotheken, nicht zuletzt in Bayern, in den letzten 200 Jahren gegangen sind.

In München ließ der für die Künste und Wissenschaften aufgeschlossene König Ludwig I ein großes Bibliotheksgebäude planen, das freilich zunächst auch das Archiv aufnehmen sollte. Mit der steigenden Buchproduktion der Zeit, angetrie­ben durch den riesigen Zustrom an Büchern infolge der Verlagerung der kur­pfälzischen Bibliothek aus Mannheim nach München und infolge des noch weit größeren Zustroms an Büchern und Handschriften aus den säkularisierten bayerischen Klöstern, wandten der König und seine Berater sich mit Ent­schiedenheit der Zukunft zu. Sie bauten und sie sorgten für die Lebendigkeit der Bibliothek durch ein angemessenes Budget zur weiteren Vermehrung. Diese Entschiedenheit hat seither reichlich Frucht getragen. Die Staatsbibliothek des mittelgroßen Königreichs trat auf eine Stufe mit der in Berlin, der Hauptstadt des in Deutschland übermächtigen Preußen (wo man allerdings erst 80 Jahre später neu baute, vgl. 07 Historismus). Die Bayerische Staatsbibliothek steht heute gemeinsam mit der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz an der Spitze der Wissenschaftlichen Universalbibliotheken in Deutschland; beide Bibliotheken dokumentieren dies seit 2007 durch die dreimal im Jahr erscheinende, zusammen herausgegebene Fachzeitschrift "Bibliotheksmagazin" (auch online zugänglich).

Die an der Wende vom 18. zum 19. Jh. auf die Münchner Bibliothek zugekom­mene ungeheure Vermehrung der Bücherbestände hatte die aus dem 18. Jh. überkommene Aufstellung aller Bücher in einem einzigen großen Saal (vgl. 04 Barock und Rokoko) unmöglich gemacht: Nun musste man die Bücher in Magazinen aufstellen. Mit dem Monumentalbau an der Ludwigstraße in München begann unübersehbar der neue Abschnitt in der Bibliotheksgeschichte, der mit dem Stichwort Magazinbibliothek gekennzeichnet wird.

Doch lässt der Bau zugleich die Herkunft des wissenschafts- und kunstbeflisse­nen Königs aus dem 18. Jh. erkennen: Das Repräsentationsbedürfnis fürstlicher (und kirchlicher) Bauherren, wie man es aus der Barockzeit kennt, ist an dem Jahrzehnte später und unter gewandelten Verhältnissen errichteten Gärtner-Bau immer noch deutlich abzulesen; im übrigen steht der Bau an der nach dem König benannten Straße, neben der dem Namenspatron des Königs geweihten Kirche und gegenüber der Universität, die der König im Jahre 1827 aus dem provinziellen Landshut in die Residenzstadt geholt hat - auch sie durch ihren Namen mit dem König verbunden: Ludwig-Maximilans-Universität.

Coburg, München BSB, alle Bibliotheken

Letzte Änderung am 2010-11-30. Dieses Album enthält 24 Elemente
Dieses Album wurde 13520 mal angeschaut seit dem 2004-11-15.
pixel_trans pixel_trans
Titelbild des Albums: 02 Renaissance
02 Renaissance
Die in der Renaissance-Zeit unter dem Einfluss des Humanismus und nach Erfindung der Buchdruckerkunst rasch gewachsenen Bücherbestände in privater wie in klösterlicher oder fürstlicher Hand oder an einer Hohen Schule sind in Mitteleuropa nur ausnahmsweise noch in zeitgenössischen Bibliotheksräumen zu sehen; zwar haben sich einzelne derartige Bibliotheken durchaus als geschlossene Sammlungen erhalten, stehen aber nicht mehr an ihrem ursprünglichen Platz.

Letzteres gilt etwa von der vollständigen Bibliothek des Humanisten Beatus Rhenanus (1485-1547) in Schlettstadt im Elsaß (Sélestat); diese ist seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in ungewöhnlicher Umgebung untergebracht, und zwar in der 1843 erbauten, später umgestalteten ehemaligen Kornhalle (vgl. 10 Umnutzungen …). Auch die Bücher der berühmten Bibliotheca Augusta in Wolfenbüttel, die ursprünglich in einem schönen, im Jahre 1710 erbauten Rundbau aufgestellt waren, stehen heute nicht mehr an diesem Ort; der alte Bau ist im Jahre 1887 abgerissen und durch ein neoklassizistisches Gebäude ersetzt worden.

Es gilt z.T. auch von der Bibliothek der ehemaligen Universität Helmstedt (gegr. 1576) im heutigen Niedersachsen, deren Bücherbestände nach Auflösung der Universität zu Beginn des 19. Jahrhunderts zum Teil nach Wolfenbüttel verbracht worden sind – zunächst vor allem die Handschriften, im Jahre 1913 auch noch ein großer Teil der Drucke; dort bilden die Helmstedter Bücher bis heute einen geschlossenen Bestand, doch sind immerhin circa 35.000 Bände im historischen Gebäude in Helmstedt geblieben und dort zugänglich.

Die Universität Würzburg (gegr. 1582) hat einen großen Teil ihrer Bibliotheksbestände bei einem Bombenangriff auf die Innenstadt am 16. März 1945 eingebüßt. Das Gebäude der Alten Universität Würzburg, das ebenfalls der Zeit der "Deutschen Renaissance" entstammt und durch den Angriff schwer beschädigt wurde, ist wieder aufgebaut und beherbergt seit Jahrzehnten die Bibliothek des Rechtswissenschaftlichen Seminars. (Bis zum Fertigstellung der neuen Universitätsbibliothek in der "Stadtrand-Universität" auf dem Hubland – vgl. 09 Moderne – war sogar die UB in dem historischen Bauwerk untergebracht.)

Helmstedt, Würzburg, alle Bibliotheken

Letzte Änderung am 2010-11-30. Dieses Album enthält 17 Elemente
Dieses Album wurde 13080 mal angeschaut seit dem 2004-11-15.
pixel_trans pixel_trans
Titelbild des Albums: 05 Frühklassizismus
05 Frühklassizismus
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts ließ die intensive Bautätigkeit von Fürsten wie von Äbten und Pröpsten spürbar nach. In dieser späten Zeit erbaute Bibliotheksräume gibt es ungleich weniger als solche aus den vorangegangenen Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts. Doch sind die hier vorgestellten Säle in Amorbach und Ochsenhausen Zeugen der großen und ungebrochen fortgeführten Buch- und Bibliothekskultur der klösterlichen Gemeinschaften.

Im Nachhinein verwundert es freilich, dass einige Klöster noch in den 1790er-Jahren erhebliche Mittel für den Ausbau ihrer Bücherbestände und die Errichtung oder Ausstattung der Bibliothekssäle aufgewandt haben. Die durch das 18. Jahrhundert sich hinziehende Diskussion über Säkularisationen, die Aufhebung des Jesuitenordens durch den Papst im Jahre 1773 und die Klosteraufhebungen Kaiser Josefs II in Österreich in den 1780er-Jahren waren deutliche Vorzeichen für eine heraufziehende Gefahr.

Noch deutlicher musste die Gefahr erscheinen, als in Frankreich radikal alle Klöster aufgehoben wurden und nach der Eroberung der linksrheinischen Teile Deutschlands durch französische Truppen die neuen Machthaber auch in diesen Gebieten so vorgingen. Gegen Ende der 1790er-Jahre kam noch der politische Druck Frankreichs auf das Deutsche Reich und seine kleinteilige ständische Struktur hinzu und ließ für die Klöster rechts des Rheins eine höchst bedrohliche Lage und eine ganz konkrete Gefahr entstehen. Ob manche Äbte und Pröpste oder ganze Konvente das nahende Schicksal wirklich nicht kommen sahen, ob sie die schmerzliche Einsicht in die Entwicklung verdrängten oder ob sie im Vertrauen auf eine günstige Wendung beharrlich weiter arbeiteten, kann und soll hier nicht beurteilt werden.

In baulicher und künstlerischer Hinsicht machte man aber nicht weiter wie bisher. Die Abwendung von den barocken Formen der kirchlichen und klösterlichen Kultur des 18. Jahrhunderts ist unübersehbar; der diesen Formen auch innewohnende Triumphalismus behagte den Bauherren offenbar nicht mehr.

Der Wandel vom Barock und Rokoko zum frühen Klassizismus ist seit den 1780er-Jahren auch an den Bibliotheksbauten deutlich zu erkennen. Die Aufklärung mit ihrem Hang zum "vernünftigen" Denken, Handeln und Gestalten hatte im späteren 18. Jahrhundert auch in Klöstern Fuß gefasst, wie sich aus Bestandskatalogen säkularisierter Klöster und anderen Quellen eindeutig ergibt. Der Geschmack des beginnenden Klassizismus war nüchtern und suchte sachlichen Ausdruck; vielleicht spielte auch der Zwang zu sparsamerer Haushaltsführung eine Rolle, nachdem die Klöster in den 1780er- und 1790er-Jahren kräftig steigendem Abgabendruck durch die Landesherren unterlagen, nicht zuletzt wegen der hohen Kosten, welche den Fürsten durch die Kriege mit dem revolutionären Frankreich entstanden.

Amorbach, Ochsenhausen, alle Bibliotheken

Letzte Änderung am 2010-11-30. Dieses Album enthält 23 Elemente
Dieses Album wurde 12718 mal angeschaut seit dem 2004-11-15.
pixel_trans pixel_trans
Titelbild des Albums: 07 Historismus
07 Historismus
Die rege Bautätigkeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der Zeit stürmischer Industrialisierung Europas, war durch eklektizistische Baustile wie Neoklassizismus, Neogotik, Neorenaissance und Neobarock geprägt. Diese, im Deutschen Reich als Wilhelminische Zeit bezeichnete Epoche hat nicht nur eindrucksvolle und ernste Kirchenbauten, repräsentative, mitunter auf­trumpfende Verwaltungs- und Justizgebäude, kathedralenartige Industriehallen und herrschaftliche Privathäuser hervorgebracht, sondern auch große, bis heute erhaltene und genutzte Bibliotheksbauten.

Einige sind den Bomben des Zweiten Weltkriegs zum Opfer gefallen, so etwa das Gebäude der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe, der Württem­bergischen Landesbibliothek in Stuttgart, und die ebenfalls eindrucksvollen Gebäude der Murhardschen und der Landesbibliothek in Kassel. Andere waren durch Kriegseinwirkung schwer beschädigt, sind aber zu erneuter Nutzung als Bibliotheken in den alten Bauformen wieder aufgebaut worden, z.B. die Bibliothek der Technischen Hochschule Danzig (Gdańsk), die berühmte Albertina in Leipzig, ebenso die Preußische Staatsbibliothek in Berlin Unter den Linden. Die im Jahre 1901 im historisierenden Baustil errichtete Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg (heute Kaliningrad) ist freilich ein anderer Fall; da jetzt zu Russland gehörig, ist sie nicht mehr ohne Weiteres zugänglich.

Tiefgreifende Veränderungen im gesamten kulturellen Leben, speziell im Bildungswesen, wie auch die rasche Entwicklung aller Zweige der Wissenschaft hatten im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu einem starken Anstieg der Buch­produktion geführt, sowohl hinsichtlich der Anzahl der neu erscheinenden Titel als auch hinsichtlich der Höhe ihrer Auflage (Erfindung der Schnellpresse, Verbilligung der Papierproduktion durch die Verwendung von Holzschliff). Das galt gleichermaßen für die wissenschaftliche wie für die Schöne Literatur.

Die öffentliche Hand sah sich mehr und mehr veranlasst, dem gestiegenen Lesebedürfnis akademischer, aber auch weiterer Kreise der Bevölkerung Rech­nung zu tragen. Die Sammlung der in- und ausländischen Literatur in großzügig bemessener Auswahl, ihre zweckmäßige Präsentation und die Erleichterung ihrer Benutzung machten die Errichtung weit größerer Gebäude für die Hochschulbibliotheken (wie auch die Hof- und Landesbibliotheken) notwendig als in früheren Zeiten. In den meisten Universitätsstädten sind gegen Ende des 19. Jahrhunderts erstmals selbständige, freistehende Gebäude für die Universitätsbibliotheken errichtet worden; die bis dahin übliche Nutzung einzelner Säle, Stockwerke oder Flügel des jeweiligen Universitätsgebäudes für Bibliothekszwecke genügte den gewachsenen Anforderungen nicht mehr. Angesichts des Umfangs der Büchersammlungen war die Zeit der Saalbibliothek des 18. Jahrhunderts (s. bes. 04 Barock und Rokoko und 05 Frühklassizismus) vorüber; alle zur vorletzten Jahrhundertwende errichteten Bibliotheksneubauten waren als Magazinbibliotheken konzipiert. (Später mussten freilich auch diese Bibliotheken um Anbauten erweitert werden, so z.B. die UB Posen [Poznań] und die Stadtbibliothek Warschau [Warszawa] oder es mussten in der Nachbarschaft weitere Gebäude errichtet oder bestehende umgenutzt werden, so z.B. in Straßburg [Strasbourg], Freiburg/Brsg. und Kopenhagen [København].)
Das spätere 19. Jahrhundert war aber nicht nur von dem unentwegten Fortschritt der gesamten Wissenschaft gekennzeichnet, sondern auch, im Gefolge der vollständigen Alphabetisierung der gesamten Bevölkerung, von einem früher in diesem Umfang unbekannten allgemeinen Lesebedürfnis. Der Borromäusverein (gegr. 1844), die Innere Mission (Johann Hinrich Wichern, 1808-1881), die Arbeiterbildungsvereine und mehrere liberale bürgerliche Vereinigungen (u.a. Deutsche Gesellschaft für ethische Kultur) suchten dem verbreiteten Bedürfnis nach guter und preiswerter Lektüre entgegen zu kommen, bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts die neu entstehenden kommunalen Öffentlichen Bibliotheken zunehmend diese Aufgabe übernahmen, nunmehr auch mit eigenen Gebäuden in den Innenstädten (Redigeranum in Breslau, Lesehalle in Jena u.a.). Viele von ihnen haben den Zweiten Weltkrieg nicht überstanden, weil die Bombenangriffe sich großenteils gegen die Innenstädte richteten und damit zahlreiche Gebäude, die dem kulturellen Leben dienten, zerstört wurden; der Aufbau nach dem Zweiten Weltkrieg fand durchweg in neuen Bauformen statt (s. 09 bis 13).

Augsburg SuStB, Berlin SB-PK, Breslau (Wroclaw), Danzig Ak. d. Wiss., Danzig THB, Freiburg alte UB, Graz UB, Halle/S. ULB, Jena StB, Kopenhagen (København) KB alt, Leipzig UB, Lund UB, Posen (Poznań) UB, Strasbourg (Strasbourg) UB, Tepl (Teplá), Warschau (Warszawa) StB, alle Bibliotheken

Letzte Änderung am 2010-11-30. Dieses Album enthält 221 Elemente
Dieses Album wurde 17260 mal angeschaut seit dem 2004-11-15.
pixel_trans pixel_trans
Titelbild des Albums: 04 Barock und Rokoko
04 Barock und Rokoko
In der Zeit des Barock und des Rokoko sind in ganz Mitteleuropa an Fürstenhöfen, in Klöstern und in Bildungsstätten (Jesuitenkollegien) umfangreiche Büchersammlungen aufgebaut und in großzügigen, mitunter prachtvoll ausgestatteten Bibliothekssälen aufgestellt worden. Während die Fürstenbibliotheken sich organisch weiter entwickeln konnten, haben sich die Schicksale der Klosterbibliotheken - der Räume wie der Bücherbestände - nach der allgemeinen Säkularisation von 1803 sehr verschiedenartig gestaltet.

Die Bestände nicht weniger Klosterbibliotheken sind in alle Winde zerstreut, die wertvollen Teile vieler von ihnen in staatliche Verwaltung überführt worden; diese Bestände bereichern bis heute eine Reihe großer Institute, vor allem die Bayerische Staatsbibliothek, die Württembergische und die Badische Landesbibliothek, auch einige Universitätsbibliotheken.

In manchen Fällen sind Klosterbibliotheken der Barockzeit mit den übrigen Konventgebäuden untergegangen (rheinische Klöster und ihre Bibliotheken unter der Franzosenherrschaft in den 1790er-Jahren; Münsterschwarzach u.a.). Doch haben sich in vielen Fällen die Gebäude bzw. Räume erhalten, insbesondere dann, wenn aufgehobene Klöster im Lauf der späteren Zeit wiederum von einer Ordensgemeinschaft besiedelt worden sind (Ettal, Fürstenzell, Metten, Ottobeuren, Waldsassen). Aber auch der Staat, dem 1803 der Besitz zugefallen war, hat für den Erhalt der Bibliothekräume gesorgt (Amberg, Dillingen, Neuburg a.d.Donau, Passau, Schussenried, Wiblingen; Ochsenhausen - s. Album 05), in anderen Fällen war es die adlige Familie, die in den Besitz eines aufgehobenen Klosters und seiner Bibliothek gekommen war (Regensburg; Amorbach - s. Album 05). Polling ist der besonders hervorzuhebende Fall, in dem eine Art "Bürgerinitiative" in den 1970er-Jahren den verödeten Raum einer einstmals blühenden Bibliothek nach 170 Jahren zu neuem Leben erweckt hat.

Aus der Fülle der bibliotheks- und bildungsgeschichtlich wie auch kunstgeschichtlich bedeutenden Bibliotheken jener Zeit kann hier nur eine Auswahl präsentiert werden. Auch kann das einzigartige geistige, geistliche und kulturelle Vermächtnis der Bibliotheken des 18. Jh. hier nicht verbal gewürdigt werden; hier sollen die Bilder sprechen. Die bei den einzelnen Bibliotheken genannten Titel, die in vielen Fällen umfangreiche weiterführende Literaturangaben enthalten, geben freilich die Möglichkeit zu vertiefender Beschäftigung. (Dieser Hinweis erscheint aus einem besonderen Grunde erforderlich: Die einzige derzeit auf dem Buchmarkt erhältliche kompakte Bibliotheksgeschichte in deutscher Sprache übergeht nämlich auch in ihrer kürzlich erschienenen 3. Auflage die Klosterbibliotheken des 18. Jh. gänzlich. Dies ist umso weniger zu verstehen, als die zahlreichen Ausstellungen zum Säkularisationsjubiläum im Jahre 2003 und die dazu erschienenen Kataloge eine Fülle interessanten Materials zur Bildungs- und Sozialgeschichte jener Zeit wissenschaftlich fundiert präsentiert haben; das hätte auch in einer knapp gehaltenen Gesamtdarstellung der Bibliotheksgeschichte aufgearbeitet und zusammengefasst werden können und müssen. Genau dies ist leider nicht geschehen.)

Amberg, Benediktbeuern, Brixen (Bressanone), Dillingen, Ettal, Freising, Fürstenzell, Fulda, Gotha, Hohenfurt, Melk, Metten, Neuburg, Neustift, Ottobeuren, Passau Fürstbischöfliche, Passau Staatliche Bibliothek, Polling, Prag (Praha) Nosticky, Prag (Praha) Strahov, Regensburg, Sagan, Schussenried, Tschenstochau, Waldsassen, Weimar, Wiblingen, Wien Nationalbibliothek, Zd'ar nad Sazavou, alle Bibliotheken

Letzte Änderung am 2010-11-30. Dieses Album enthält 651 Elemente
Dieses Album wurde 30668 mal angeschaut seit dem 2004-09-22.
pixel_trans pixel_trans
Titelbild des Albums: 01 Spätmittelalter
01 Spätmittelalter
Die Büchersammlungen des europäischen Mittelalters hatten, wenn man sie mit denen der Neuzeit vergleicht, einen bescheidenen Umfang, meistens nur wenige hundert Bände. Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts wurden alle Bücher mit der Hand geschrieben. Sollte ein einziges weiteres Exemplar eines vorliegenden Textes hergestellt werden, so nahm dieser Vorgang viel Zeit in Anspruch, entsprechend teuer waren die Bücher, entsprechend klein die Sammlungen, bescheidenen Zuschnitts die Orte ihrer Aufbewahrung. Lese- und Schreibfähigkeit waren auf wenige gebildete Menschen beschränkt, breiteten sich aber seit dem späteren Mittelalter allmählich in weitere Kreise aus.

So kann es nicht verwundern, dass man erst seit dem 15. Jahrhundert Bibliotheksräume baute, die unserer Vorstellung von einer „Bibliothek“ entsprechen, Räume, in denen auch mehrere Menschen sich aufhalten und die dort bereit gehaltenen Bücher lesen konnten. Zu diesen frühen Zeugen der Bildungsgeschichte gehören u.a. die Bibliothek des St.-Nikolaus-Stifts (Cusanus-Stift) in Bernkastel-Kues an der Mosel und die Prädikantenbibliothek zu Isny im Allgäu.

Das reiche literarische Erbe des griechisch-römischen Altertums und des europäischen Mittelalters ist heute größtenteils in modernen Bibliotheksräumen zugänglich. Nur ausnahmsweise sind Originalbestände noch an denjenigen Orten zu sehen, an denen sie entstanden oder in ihrer Entstehungszeit gesammelt und aufgestellt worden sind. Kues und Isny sind bemerkenswerte Beispiele hierfür: Beide Bibliotheken sind im 15. Jahrhundert erbaut und eingerichtet worden; die damals in ihnen aufgestellten Bücher stehen seit nunmehr 550 Jahren an authentischem Ort. Dank dieser Bibliotheken vermögen sich Menschen des 21. Jahrhunderts in das späte Mittelalter zu versetzen, und zwar in einer Intensität, in der sie das durch die Betrachtung der bloßen Bücher – in heutiger Umgebung aufgestellt – nicht könnten.

Bernkastel-Kues, Isny, alle Bibliotheken

Letzte Änderung am 2008-04-01. Dieses Album enthält 21 Elemente
Dieses Album wurde 14906 mal angeschaut seit dem 2004-11-15.
pixel_trans pixel_trans
Titelbild des Albums: 12 Multifunktionale Zusammenhänge
12 Multifunktionale Zusammenhänge

Angelegt am 2008-02-17, letzte Änderung am 2010-11-30. Dieses Album enthält 16 Elemente
Dieses Album wurde 6866 mal angeschaut seit dem 2008-02-17.
pixel_trans pixel_trans
Titelbild des Albums: 10 Die Postmoderne
10 Die Postmoderne

Angelegt am 2008-02-17, letzte Änderung am 2010-11-30. Dieses Album enthält 46 Elemente
Dieses Album wurde 12987 mal angeschaut seit dem 2008-02-17.
pixel_trans pixel_trans
Titelbild des Albums: 13 Bibliotheksbau der Gegenwart
13 Bibliotheksbau der Gegenwart
Nach dem Wegfall der trennenden Grenzen, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs Mitteleuropa geteilt hatten, und mit dem Beginn einer günstigen ökonomischen Entwicklung in seinem östlichen Teil sind zahlreiche, z.T. hoch interessante Bibliotheksbauten errichtet worden. In ihrer Ausstattung gleichermaßen auf die Nutzung der gedruckten wie der elektronischen Medien eingestellt, sind viele von ihnen authentische Zeugen der kontinuierlich fortschreitenden Entwicklung europäischer Informationskultur.

Augsburg UB, Aurich LB, Cottbus UB, Dortmund StuLB, Dresden SLUB, Eberswalde FHB, Eichstätt UB Neubau, Erfurt UB, Frankfurt/M. DB, Graz UB, Ingolstadt FHB, Jena ULB, Kopenhagen KB, Malmö StB, Mulhouse, St. Pölten NÖ LB, Tübingen UB neu, Warschau UB, Wien StB, alle Bibliotheken

Letzte Änderung am 2010-11-30. Dieses Album enthält 403 Elemente
Dieses Album wurde 24714 mal angeschaut seit dem 2004-12-20.
pixel_trans pixel_trans
Titelbild des Albums: 03 Pietismus
03 Pietismus
Im Jahre 1695 – ein Jahr nach der Gründung der Universität Halle – richtete der pietistische Pfarrer und Professor für biblische Sprachen August Hermann Francke (1663-1727) zu Halle ein Waisenhaus und eine Armenschule ein, 1696-1698 weitere Schulen – ein für die damalige Zeit ungewöhnliches und nicht unumstrittenes Unternehmen; 1705 kam die Ostindische Missionsgesellschaft hinzu, 1710 die Cansteinsche Bibelanstalt (mit Druckerei). Es entstand nach und nach eine regelrechte "Schulstadt" und mit ihr ein bedeutender Komplex religiös, pädagogisch, sozial und wissenschaftlich bestimmter Einrichtungen, die eine segensreiche Tätigkeit entfalteten und bis ins 20. Jahrhundert fortsetzten.

Von 1726 bis 1728 errichtete man ein eigenes Bibliotheksgebäude für die in den ersten dreißig Jahren rasch gewachsene Büchersammlung, bereits 1721 waren es 18.000 Bände, ein für die damalige Zeit erstaunlich großer Bestand. Vielleicht wirkte sich die speziell in Halle lebhafte Auseinandersetzung zwischen Protestantismus und Aufklärung, Pietismus und lutherischer Orthodoxie, neuer aufgeklärter Gesinnung und Lebensweise und pietistisch-einfachem Lebensstil besonders fruchtbar aus.

Die einfachen offenen Regale wurden quer in den schmucklosen Raum gestellt – Platz sparend und praktisch. Insoweit besteht ein grundlegender Unterschied, ja ein Kontrast zu den im 18. Jahrhundert üblichen und oftmals aufwändig ausgestatteten Saalbibliotheken in Klöstern und Schlössern. (Dort wurden die Bücher nur an den Wänden aufgestellt, und zwar in kunstvoll gestalteten Bücherschränken, so dass ein von Büchern umrahmter, oftmals von einem großen Deckengemälde überwölbter repräsentativer Freiraum entstand – vgl. 04 Barock und Rokoko.) Viele barocke Klosterbibliotheken der Zeit erinnern an den Kirchenbau des 18. Jahrhunderts, machen einen nahezu sakralen Eindruck. Demgegenüber wirkt die Bibliothek in Halle beinahe profan; wer sich länger in ihr aufhält, spürt jedoch auch hier den religiösen Impuls zum Studium der Bücher, die Strenge und Konsequenz christlicher Lebensgestaltung in der Form des Pietismus; so kann die Hallenser Bibliothek eigentlich nicht – wie es manchmal geschieht – als der älteste profane Bibliotheksbau Deutschlands bezeichnet werden, vielleicht als das erste Beispiel eines reinen Zweckbaus für eine Büchersammlung. – Im 19. und 20. Jahrhundert wurden unschöne Einbauten zur Gewinnung weiteren Stellplatzes in der Bibliothek vorgenommen.

1946 löste die Sowjetische Militäradministration die Franckeschen Stiftungen auf. Der Komplex wurde fortan teilweise anderweitig genutzt; am Ende der DDR-Zeit befand er sich in beklagenswertem Verfall (ausführl. Bericht z.B. in der FAZ vom 27.10.1990, Nr. 251– "Bilder und Zeiten").

1991 errichtete das Land Sachsen-Anhalt die Stiftungen von Neuem. Schon im Jahre 1990 war mit der Restaurierung einzelner Gebäude begonnen worden. Ein Aufruf der Kulturstiftung der Länder und Berichte in der Tagespresse machten auf die nationale Bedeutung des Vermächtnisses aufmerksam, das der ebenso tatkräftige wie gläubige Professor und Pfarrer hinterlassen hatte; unter den Presseberichten sind zwei Beiträge aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hervorzuheben, deren Titel die Bedeutung der Franckeschen Stiftung in der Vergangenheit wie in der Gegenwart treffend kennzeichnen: "Eine Stadt im Zentrum des Gottesreiches" vom 27.10.1990 und "Leuchtturm in säkularisierter Umgebung" vom 31.7.2002. – Paul Raabe, bis 1992 Direktor der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel, hat sich über fast 20 Jahre hin die größten Verdienste um die Franckeschen Stiftungen erworben. Seine Initiative und seine ungezählten begleitenden Aktivitäten sind aus ihrem materiellen wie geistigen Wiederaufbau nicht wegzudenken; Raabe ist hierfür zu Recht hoch geehrt worden, u.a. vom Bundesverband Deutscher Stiftungen durch die Verleihung des Deutschen Stifterpreises (vgl. Kölner Stadtanzeiger Nr. 127 – Pfingsten 2001, S. 38).

Von 1994 an ist der gesamte Komplex planmäßig rekonstruiert worden. Die Bibliothek wurde 1996-1998 nach den Plänen des 18. Jahrhunderts vollständig wieder hergestellt. Insbesondere wurden die störenden Einbauten beseitigt und das nicht mehr sichtbare Fenster am Ende des Mittelgangs wieder geöffnet. So wird mehr Tageslicht eingelassen und die Perspektive durch die Längsachse des Raumes deutlich betont, die beträchtliche Tiefe des Raumes und damit der Eindruck vom tatsächlichen Umfang der Bücherbestände werden dem Besucher beim Betreten der Bibliothek sogleich vermittelt.

Der Altbestand umfasst circa 57.000 Bände, Schwerpunkt 17. und 18. Jahrhundert; seit 1992 ist eine wissenschaftliche Handbibliothek mit allgemeinen Nachschlagewerken und spezieller Forschungsliteratur zu Pietismus und Kulturgeschichte, Kirchengeschichte und Bildungsgeschichte der frühen Neuzeit aufgebaut und in der Nähe des historischen Bibliotheksraumes zur allgemeinen Nutzung aufgestellt worden, Gesamtbestand im Jahre 2007 etwa 130.000 Bände (Jahrbuch der Deutschen Bibliotheken). Treffend bezeichnete die FAZ in der Überschrift zu einem Bericht in ihrer Ausg. vom 31.7.2002 die Franckeschen Stiftungen als "Leuchtturm in säkularisierter Umgebung".

Halle an der Saale

Letzte Änderung am 2010-11-30. Dieses Album enthält 15 Elemente
Dieses Album wurde 9022 mal angeschaut seit dem 2004-11-15.
pixel_trans pixel_trans
Titelbild des Albums: 09 Die Moderne
09 Die Moderne
Der Erste Weltkrieg und die ihm folgende ökonomische Notlage Mitteleuropas, später die Auswirkungen der NS-Diktatur, der Zweite Weltkrieg und seine Folgen haben 40 Jahre lang nur wenige neue Bibliotheksgebäude entstehen lassen. Seit dem Ende der 1950er Jahre begann jedoch eine rege Bautätigkeit, die sich bis zur Gegenwart fortsetzt.

Berlin SB-PK, Gütersloh StB, Köln ZB Med., Krakau (Kraków), Lublin UB, Straßburg (Strasbourg) StB, Stuttgart WLB, Vilnius NB, Würzburg UB, Warschau (Warszawa) NB, alle Bibliotheken

Letzte Änderung am 2010-11-30. Dieses Album enthält 100 Elemente
Dieses Album wurde 20138 mal angeschaut seit dem 2004-11-15.
pixel_trans pixel_trans
Titelbild des Albums: 15 Rara, Unica, Curiosa
15 Rara, Unica, Curiosa
Einige seltsame Ausprägungen von Bibliotheksbau und -ausstattung zeigen, dass sich auch hier gelegentlich kuriose Ideen bemerkbar machen; solche Ideen zeigen umso mehr, in welchem Maße sonst rationale Gedanken und der Wille zu ihrer künstlerischen Verwirklichung den Bibliotheksbau bestimmt haben und bestimmen. In diesem Sinne ist das Album 13 vielleicht mehr als die „Asylstelle“, auf die ein Bibliothekar nur ungern verzichtet.

Rottenbuch, alle Bibliotheken

Letzte Änderung am 2010-09-25. Dieses Album enthält ein Element
Dieses Album wurde 13168 mal angeschaut seit dem 2005-03-04.
pixel_trans pixel_trans
Titelbild des Albums: 14 Die gedachte Bibliothek, die dargestellte Bibliothek
14 Die gedachte Bibliothek, die dargestellte Bibliothek
Immer wieder sind im Lauf der Zeit Bücher, Büchersammlungen, Bibliotheken Gegenstand künstlerischer Darstellung gewesen. Auch die nur gedachte, die dargestellte Bibliothek hat – wie das einzelne, vom Künstler hervorgehobene Buch – in der Präsentation Das Buch & sein Haus einen genuinen Platz. Einige Beispiele sollen das belegen.

Letzte Änderung am 2010-09-25. Dieses Album enthält 7 Elemente
Dieses Album wurde 9197 mal angeschaut seit dem 2004-12-13.
pixel_trans pixel_trans
Titelbild des Albums: 11 Umnutzungen, Umbauten, Erweiterungen
11 Umnutzungen, Umbauten, Erweiterungen
Seit dem Zweiten Weltkrieg sind in zahlreichen Fällen ältere Gebäude, die ursprünglich eine andere Zweckbestimmung hatten, zu Bibliotheken umgebaut („umgenutzt“) worden; in anderen Fällen sind ältere Bibliotheksgebäude in einer Weise erweitert worden, dass etwas durchaus Neues entstanden ist. Aus der Fülle von Beispielen für diese lebendigen Formen der Entwicklung von Bibliothekskultur können hier zunächst nur wenige präsentiert werden.

Andernach StB, Ansbach Staatl. B., Berlin Dt. Musik-Arch., Colmar StB, Eichstätt UB WiWi, Eichstätt UB Reith, Eichstätt UB Ulmer Hof, Frankfurt/O. StB, Frankfurt/O. UB, Görlitz StB, Konstanz FH, Kopenhagen StB, Lörrah StB, Leipzig Städt. Bibl., München IJB, Oldenburg LB, Plattling StB, Schlettstadt, Straelen, Stuttgart StB, Vilnius UB, Würzburg StB, alle Bibliotheken

Letzte Änderung am 2010-11-30. Dieses Album enthält 170 Elemente
Dieses Album wurde 16648 mal angeschaut seit dem 2004-11-15.
pixel_trans pixel_trans
Titelbild des Albums: 08 Jugendstil, Werkbund, Frühmoderne
08 Jugendstil, Werkbund, Frühmoderne
Die lebhafte Bautätigkeit der Wilhelminischen Zeit setzte sich bis zum Ersten Weltkrieg fort, doch fand in den letzten Jahren vor dem Krieg eine deutliche Wende zu einfacheren Bauformen statt; in der Ausgestaltung einzelner Neu­bauten machte sich gleichzeitig der Jugendstil bemerkbar.

Das gilt von den beiden hier vorgestellten Bibliotheken in unterschiedlichem Maße. Der von 1910 bis 1912 errichtete "Bonatz-Bau" in Tübingen kann durch­aus noch dem neoklassizistischen Baustil zugerechnet werden, wird hier aber, da er bereits deutliche Jugendstil-Elemente aufweist, in die anbrechende neue Epoche gestellt. Die Deutsche Bücherei in Leipzig, nur drei Jahre später begon­nen, ist dagegen eindeutig der neuen Epoche zuzurechnen. Das große Bauwerk weist eine viel einfachere Formensprache auf als sie andernorts noch wenige Jahre zuvor verwandt wurde (Baubeginn der neobarocken Königlichen Bibliothek in Berlin 1903, Fertigstellung 1914).

Vor allem die Lesesäle der Bibliotheken in Leipzig und in Tübingen sind eindeutig im Sinne des Jugendstils gestaltet und können, zumal beide den Bombenkrieg unbeschadet überstanden haben, längst als klassische Beispiele für die in Deutschland nur kurze Zeit dauernde Kunstrichtung angesehen werden. In den 1920er-Jahren sind, wohl wegen der Not der Zeit nach dem Ersten Welt­krieg, nur wenige, in der NS-Zeit gar keine bedeutenden Bibliotheken gebaut worden; die Bücherverbrennungen im Mai 1933 können auch in dieser Hinsicht als ein böses Vorzeichen gedeutet werden.

Man mag es bedauern, dass die Bauformen der Deutschen Bücherei wegen des Ersten Weltkriegs und der damaligen Nachkriegszeit, wegen des National­sozialismus und der auf sein Ende folgenden Notzeit jedenfalls in Deutschland sich nicht weiter entwickeln konnten. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die kurze Epoche einer organischen Entwicklung weg vom Historismus vorüber. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute man in radikal anderen Formen, auch die damals entstandenen Bibliotheken geben Zeugnis davon (09 Moderne).

*


Ein anderer Bruch ist sicherlich auch zu bedauern. Durch einen Federstrich des Gesetzgebers ist im Jahre 2006 der traditionsreiche und in aller Welt bekannte Name "Deutsche Bücherei" ausgelöscht worden. Die seit 1913 bestehende Deutsche Bücherei in Leipzig und die seit 1946 bestehende Deutsche Bibliothek in Frankfurt am Main waren nach der Vereinigung Deutschlands unter dem Namen Die Deutsche Bibliothek (mit dem Artikel im Namen) mit einander vereinigt worden; beide Institute hatten aber je für sich ihre angestammten Namen behalten. Dies ist nun geändert worden: Es gilt nur noch der Name "Deutsche Nationalbibliothek".

Das Wort Nationalbibliothek ist eine aus der Bibliothekstypologie kommende Gattungsbezeichnung für diejenigen Bibliotheken, die in ihrem Staat die nationale Literatur vollständig und darüber hinaus die internationale Literatur in repräsentativer Auswahl sammeln und die im übrigen die Nationalbibliografie erstellen. Als Name der entsprechenden Bibliothek dient es in einigen Ländern (Frankreich, Italien, Österreich, Polen u.a.), in vielen anderen aber nicht: In den Vereinigten Staaten heißt die Nationalbibliothek "Library of Congress", in Großbritannien schlicht "British Library", in den meisten monarchisch verfass­ten Staaten Europas "Königliche Bibliothek", so in Belgien, den Niederlanden, Dänemark, Schweden, Norwegen), in Russland "Russische Staatsbibliothek", in der Schweiz "Schweizerische Landesbibliothek".

Schon dieser Vergleicht zeigt, dass die Änderung des Namens entbehrlich war und einen unnötigen Bruch darstellt. Dies gilt umso mehr, als zur Bezeichnung einer Institution mit nationaler Bedeutung in der Bundesrepublik gewöhnlich das Wort "deutsch", nicht das Wort "national" verwendet wird: der Deutsche Bundestag, die Deutsche Bahn, das Deutsche Museum, das Deutsche Bergbau­museum, der Deutsche Gewerkschaftsbund. So wundert es nicht, dass die Namensänderung in der Presse als "Nationale Blähung" verspottet wurde, zumal sie just zu der Zeit vorgenommen wurde, als man dem bisherigen Nationalen Ethikrat das Attribut gestrichen hatte.

Der Königlichen Universitätsbibliothek Tübingen ist das Attribut "Königlich" nach dem Ende der Monarchie hingegen mit Recht gestrichen worden, ebenso wie den zahlreichen anderen Bibliotheken in Deutschland, welche bis 1918 eine entsprechende Bezeichnung trugen.

Leipzig DB, Tübingen UB, alle Bibliotheken

Letzte Änderung am 2010-11-30. Dieses Album enthält 21 Elemente
Dieses Album wurde 13294 mal angeschaut seit dem 2004-11-15.

Powered by Gallery v1 RSS

Home | zur Datenbank | Impressum | Kontakt | Information
Fotos Copyright: Christoph Seelbach, Kontakt: Engelbert Plassmann, Philipp Mayr